Digitalisierung der Verwaltung: Reifegrad 4 nur in jeder siebten Behörde
Die Digitalisierung der Verwaltung sollte längst mehr sein als ein Formular, das online abgerufen, aber dann als PDF ausgedruckt und unterschrieben wird. Genau das erleben Bürgerinnen und Bürger jedoch weiterhin im Alltag vieler Behörden. Das zeigt eine neue Studie „Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung 2026″ von CIO und COMPUTERWOCHE mit den Partnern UiPath und Materna, für die 316 Entscheiderinnen und Entscheider aus deutschen Behörden befragt wurden. Über die Ergebnisse habe ich für die COMPUTERWOCHE berichtet.
Reifegrad 4: Digitalisierung der Verwaltung kommt kaum voran
Das zentrale Ergebnis zur Digitalisierung der Verwaltung ist ernüchternd. Erst 28 Prozent der Behörden haben ihre Verwaltungsleistungen komplett digitalisiert. Zudem arbeiten 34 Prozent noch weitgehend offline. Den höchsten Reifegrad, Stufe 4 mit medienbruchfreier Leistungserbringung und Once-Only-Prinzip, erreichen im Schnitt nur 14 Prozent der Behörden. Eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent kann zudem keinen verbindlichen Termin nennen, wann dieser Qualitätssprung gelingen soll. „Die Verwaltung hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, sagt Dirk Moeller von UiPath im Beitrag.
Auch bei der Automatisierung öffnet sich eine spürbare Lücke. Behörden schätzen ihr theoretisches Automatisierungspotenzial im Schnitt auf 49 Prozent. Automatisiert sind bislang allerdings nur 23 Prozent der Prozesse. Die Bereitschaft ist also vorhanden, doch bei der Umsetzung hapert es.
Kaum Erfolgskontrolle und brüchiges Fundament
Woran das liegt, zeigt die Studie zur Digitalisierung der Verwaltung ebenfalls. Nur elf Prozent der Behörden messen den Digitalisierungserfolg systematisch, ein Viertel verzichtet komplett auf eine Erfolgskontrolle. Zudem hapert es am technischen Fundament: Die Hälfte bewertet ihre IT-Infrastruktur für Reifegrad 4 als schlecht bis sehr schlecht. Standardisierte APIs haben erst 49 Prozent, und nur sieben Prozent nutzen einheitliche Datenmodelle wie XÖV. Bei den Registern ist die Lage besonders kritisch: Nur acht Prozent sind bereits Once-Only-fähig, während 27 Prozent noch auf Papier und 38 Prozent in Excel arbeiten.
EFA, Cloud und Verwaltungscloud mit Vertrauensdefizit
Auch Skalierungsansätze wie der „Einer für alle“-Ansatz (EfA) bleiben hinter den Erwartungen zurück. 86 Prozent bewerten das Modell zwar positiv, doch nur 19 Prozent nutzen entsprechende Lösungen. Ähnlich zäh verläuft es bei der Deutschen Verwaltungscloud (DVC), deren Rolle für viele Behörden unklar bleibt und deren Standardisierungsgrad nur 18 Prozent zufriedenstellt. Johannes Rosenboom von Materna sieht die DVC dennoch als wichtigen Baustein für eine souveräne, anschlussfähige Verwaltungs-IT, sofern sie als offenes Ökosystem mit klaren Standards gedacht wird.
KI-Einstieg gemacht, Kompetenzlücken bremsen
Ein ähnliches Muster zeigt sich beim Zukunftsthema Künstliche Intelligenz. Immerhin 29 Prozent der Behörden setzen bereits KI-Werkzeuge ein. Zudem planen weitere 17 Prozent die Einführung. Allerdings verfügen nur 31 Prozent nach eigener Einschätzung über ausreichende Daten- und KI-Kompetenzen, in den Kommunen sind es sogar nur 21 Prozent. Ohne gezielte Qualifizierung droht der KI-Einstieg in eine Sackgasse zu führen.
Risiko Staatsversagen
Am Ende der Studie steht ein politisch brisantes Szenario. 69 Prozent der Befragten befürchten, dass digitale Portale nicht rechtzeitig bereitstehen, sollten kleine Kommunen ihre Bürgerämter aus demografischen Gründen schließen müssen. Damit droht ein doppeltes Versagen des Staates, erst offline und dann auch online.
Zu dieser Studie habe ich bereits einen ersten Beitrag veröffentlicht, der sich mit den Grundzügen der Verwaltungsdigitalisierung und den Hemmnissen befasst. Dass technische Lösungen allein nicht reichen, zeigt sich auch in anderen Digitalisierungskontexten. Wie wichtig der Kulturwandel neben der reinen Technik ist, habe ich bereits am Beispiel der Cloud-Migration in Unternehmen beschrieben.
Den vollständigen Beitrag zur Digitalisierung der Verwaltung mit Grafiken und Differenzierungen nach Behördengröße, Funktionsträgern und Verwaltungsart lesen Sie in der COMPUTERWOCHE.



