SAP S/4HANA-Transformation

SAP-S/4HANA-Transformation: Warum viele Unternehmen noch zögern

Über eine Expertenrunde zum Thema SAP-S/4HANA-Transformation habe ich für die COMPUTERWOCHE berichtet. Sechs Fachleute aus Beratung, Cloud-Infrastruktur und dem SAP-Umfeld diskutierten die Gründe dafür. Der Umstieg auf die aktuelle ERP-Suite gerät bei vielen Unternehmen trotz auslaufender Wartung ins Stocken. Zudem ging es darum, was erfolgreiche Projekte auszeichnet.

SAP S/4HANA-Transformation Rechenzentrum

SAP S/4HANA-Transformation Rechenzentrum

Warum die SAP-S/4HANA-Transformation stockt

SAP-Anwenderunternehmen stehen unter Druck. Die Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 läuft Ende 2027 aus, und die erweiterte Wartung ist bis 2030 kostenpflichtig. Obwohl der Druck hoch ist, hat eine große Zahl der SAP-Bestandskunden die Transformation offenbar noch nicht vollzogen. Nach Einschätzung eines Teilnehmenden nutzen aktuell erst rund 20 Prozent der SAP-Kunden S/4HANA produktiv als Kernapplikation. Der Grund: Entsprechende Projekte dauern häufig sieben bis neun Jahre. Mit der Option „SAP ERP, Private Edition, Transition Option“ bietet SAP eine weitere Verlängerung bis 2033 an. Das verschafft Unternehmen mehr Zeit für Planung und Change-Management. Allerdings laufen sie Gefahr, technologisch ins Hintertreffen zu geraten, da SAP neue Funktionen fast ausschließlich für S/4HANA bereitstellt.

Ein weiterer Grund liegt in den Altsystemen selbst. Sie basieren auf Prozessen aus den 1990er Jahren. Zudem haben viele Unternehmen sie im Lauf der Zeit durch tausende Eigenentwicklungen im Z/Y-Namensraum erweitert. Das erschwert eine reine technische Migration zusätzlich. Werden solche Altlasten wie ABAP-Eigenentwicklungen einfach mitschleppt, bringt eine Migration keinen Mehrwert für das Business.

Scope-Management als Erfolgsfaktor

Einig waren sich die Fachleute darin, dass SAP-S/4HANA-Transformationsprojekte in der Regel nicht an der Technologie scheitern, sondern an einer mangelhaften Scope-Definition und einem unzureichenden Changemanagement. Wirklich erfolgreich seien SAP-S/4HANA-Migrationen, deren Scope noch vor dem Projektstart klar definiert werde.

Deshalb rieten die Experten zu einem iterativen Vorgehen. Unternehmen sollten geschäftskritische Quick Wins Schritt für Schritt zuerst umsetzen, während komplexe ERP-Kernprozesse erst zum Schluss folgen. Genauso wichtig sei ein Change-Management, das Mitarbeitende von Beginn an einbezieht und die nötige Akzeptanz schafft. Allerdings stellt gerade die Einbindung der Fachbereiche in der Praxis die größte Herausforderung dar. Unternehmen befürchten, dass dies zu viele personelle Ressourcen bindet.

Migrationstools und KI beschleunigen den Umstieg

Um den Prüf- und Bereinigungsaufwand zu bewältigen, bietet SAP mehrere Tools wie SAP Activate, Migration Cockpit und Custom-Code-Check. Ergänzend stehen Lösungen wie Signavio für die Prozessanalyse zur Verfügung. Die Teilnehmenden schätzen den Effizienzgewinn durch solche Migrationswerkzeuge auf 30 bis 50 Prozent. Zusätzliche Produktivität versprechen KI-Agenten, die Altsysteme automatisiert analysieren und Code bereinigen. Das reduziert den Migrationsaufwand spürbar und beschleunigt den Umstieg nahtlos.

Hybride Betriebsmodelle setzen sich durch

SAP S/4HANA-Transformation hybride Cloud

SAP S/4HANA-Transformation hybride Cloud

Zugleich wurde deutlich, dass sich langfristig hybride Betriebsmodelle durchsetzen werden. Dabei entscheiden Unternehmen selbst, welche Elemente ihrer SAP-Landschaft in einer Hyperscaler-Cloud, einer souveränen Cloud oder on-premises laufen. Eine weitere, oft unbekannte Möglichkeit ist die Customer-Data-Center-Option von SAP Cloud ERP Private. Sie eignet sich vor allem aus Gründen wie Datenschutz und Souveränität.

Während viele Unternehmen anfangs maximale Sicherheit anstreben, entscheiden am Ende oft die Kosten, welches Modell zum Einsatz kommt. Ausnahmen bilden regulierte Branchen und der öffentliche Sektor.

Ob hybrides Betriebsmodell oder Kostenfrage: Am Ende entscheidet über den Projekterfolg nicht allein die Technologie. Ebenso wichtig ist, wie diszipliniert Unternehmen Scope und Wandel steuern. Den vollständigen Fachbeitrag mit allen Experten-Statements lesen Sie in der COMPUTERWOCHE.

Beitrag erschienen in Computerwoche.de